Geschichte & Kultur

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Italien nimmt zwar nur 3 % der Fläche des europäischen Kontinents ein, hat aber Europa und die westliche Welt wie kaum ein anderes Land geprägt. Beliebt für seine vitale Lebenslust und berühmt für seine kulturellen Errungenschaften, faszinieren seine genialen Baudenkmäler und Kunstwerke aus Jahrtausenden bis heute.

Italien in vorrömischer Zeit

Jahrhunderte vor der Entstehung des Römischen Reiches erreichte Italien im Norden unter den Etruskern und im Süden unter den Phöniziern, Karthagern und Griechen seine erste Blütezeit. In Süditalien, etwa auf Sizilien, zeugen griechische Bauten wie der außergewöhnlich gut erhaltene Concordiatempel von der Kolonisation durch die Griechen, in den Archäologischen Museen wie der Villa Giulia in Rom werden beeindruckende Skulpturen aus der Zeit der Etrusker der Weltöffentlichkeit präsentiert.

Aufstieg des Römischen Reiches

Der Aufstieg Roms zur Weltmacht begann mit dem Sieg über die Etrusker, Griechen und Punier. In den folgenden Jahrhunderten entwickelten die Römer fortschrittliche politische Ideen und erwarben Kenntnisse auf Gebieten wie Architektur, Mathematik, Philosophie und Wissenschaft, die ihnen enorme Vorteile verschafften. Ein straff organisiertes Heer, ein neues Wirtschaftssystem und internationale Handelsgeschäfte verhalfen dem Römischen Reich zu seinen Macht- und Landgewinnen. Schließlich beherrschte Rom einen großen Teil Europas, den Norden Afrikas und Vorderasien. Das Maison Carrée in Nîmes, die Porta Nigra in Trier und der 113 Kilometer lange Hadrianswall in England sind einige imposante Bauwerke aus jener Zeit. Viele seiner rund 100.000 Baudenkmäler verdankt Italien ebenfalls dem Römischen Reich, darunter das Kolosseum, das Forum und die Engelsburg in Rom. Säulen, Skulpturen und Statuen, Kampfausrüstungen, Gebrauchsgegenstände und Schmuckstücke aus römischer Zeit werden in den Archäologischen Museen in aller Welt ausgestellt.

Fall des Römischen Reiches

Die riesige Ausdehnung, Aufstände der unterjochten Völker, die Verbreitung des Christentums, korrupte Staatsdiener und diverse Verteidigungskriege führten schließlich zu einer Trennung des unregierbar gewordenen Imperiums in ein Ost- und ein Weströmisches Reich. Das Oströmische Reich, heute als Byzantinisches Reich bekannt, bestand bis 1453, das Weströmische Reich – der Sieg Odoakers 476 n. Chr. über Rom besiegelte dessen endgültiges Ende - zerfiel bereits im 5. Jahrhundert unter dem Ansturm der Germanen.

Jahrhundertelange Fremdherrschaft: Kirche und Kaiser ringen um die Macht

Nach dem Untergang des Römischen Reiches wurden die Germanen von den Ostgoten und diese von den Langobarden vertrieben. Das einst so mächtige Rom gewann wieder an Bedeutung, als aus dem bisherigen Bischofssitz der Papstsitz wurde. Der Papst krönte zunächst den Franken Pippin zum König des neu geschaffenen Römischen Reiches und in weiterer Folge dessen Sohn, Karl den Großen, zum Kaiser. Die folgenden Jahrhunderte verliefen turbulent, die Zeit des Mittelalters war geprägt vom ewigen Streit um Macht und Einfluss zwischen dem jeweiligen Papst und Kaiser. Die Konflikte hatten den Aufstieg der Stadtstaaten wie Mailand, Genua, Florenz und Venedig zur Folge. Der Handel blühte und erstmals gelangten reich gewordene Händler aus dem Bürgertum an die Macht. Familien wie die Medici übernahmen die Kontrolle und prägten Oberitalien bis in die Neuzeit. Der Süden dagegen wurde zunächst vom Byzantinischen Reich und in späterer Folge von Arabern, Normannen, Spaniern und schließlich von den Osmanen beherrscht.

Aufbruch in ein neues Zeitalter

Nach dem Fall Konstantinopels 1453 löste sich das Römische Reich 2.000 Jahre nach seiner Entstehung endgültig auf. Europa profitierte von der Flucht der Gelehrten aus Byzanz, deren Schriften antiker griechischer Philosophen und Kenntnisse auf wissenschaftlichem Gebiet dem finsteren Mittelalter endgültig ein Ende setzten. Die antike Philosophie und die neu gegründeten Universitäten, etwa in Bologna oder Parma, weckten das Interesse der Menschen nach Selbstbestimmung. Der Humanismus und die demokratischen Staatsformen der Antike führten zur Entstehung der Renaissance. Universalgelehrte wie Galileo Galilei und Leonardo Da Vinci trieben die geistige Entwicklung entscheidend voran, die Werke der Renaissancephilosophen Erasmus von Rotterdam und Niccolò Machiavelli sowie jene der Schriftsteller Dante und Shakespeare werden nach wie vor gelesen. Renaissancekünstler wie Botticelli, Dürer, Michelangelo oder Raffael verewigten sich auf Gemälden, die bis heute in den angesehensten Museen weltweit ausgestellt werden. Klassische Renaissancebauten finden sich zuhauf in den ehemaligen Stadtstaaten wie Florenz. Aus der Renaissance entwickelte sich von circa 1550 und 1770 der Barockstil, der ebenfalls von Italien aus auf Europa übergriff. Barockbauwerke wurden vor allem von der römisch-katholischen Kirche und von Adeligen in Auftrag gegeben, die sich gegenseitig mit Prunk und Pracht zu übertrumpfen suchten. Das französische Schloss Versailles ist wohl das berühmteste Barockbauwerk, Antonio Vivaldi der geläufigste musikalische Vertreter, Caravaggio einer der bekanntesten Maler aus der Barockzeit.

Die Gründung Italiens

Zwar beeinflussten Architekten, Künstler und Gelehrte aus den einzelnen Stadtstaaten den gesamten Kontinent, der Gedanke an ein vereintes Italien nahm aber erst im 19. Jahrhundert Gestalt an. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts fielen nacheinander Sizilien, die Lombardei, Friaul und Venetien am König Emanuele II. Die Toskana schloss sich dem neuen Königreich Italien freiwillig an, schließlich wurde 1870 der Vatikanstaat ins Reich eingegliedert, nach dem 1. Weltkrieg wurden Südtirol und Trentino Italien zugesprochen. Nach dem Ende der faschistischen Herrschaft (1922 bis 1945), entschieden sich die Italiener gegen die Monarchie und für die Republik als neue Staatsform. Noch heute hat das Land mit dem Gefälle zwischen dem moderneren, finanziell wohlhabenden Norden und dem traditionelleren, ärmeren Süden, mit Korruption, häufig wechselnden Regierungen und organisierter Kriminalität zu kämpfen.

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